Verkabeln, Absichern und Anschließen deiner Geräte im Van

Du bist voll in der Planung deiner Elektronik im Van, hast deine Geräte schon herausgesucht und einen detaillierten Schaltplan gezeichnet. Jetzt geht es um alles Nötige zwischen den Geräten. Welche Kabel du benötigst und wie du sie vorbereitest, dass du sie auch anschließen kannst, wie du mehrere Kabel miteinander verbindest und wie du dein Elektro Setup im Van mit Sicherungen vor Fehlern schützt, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Alles rund ums Kabel

Um deine Geräte miteinander zu verbinden, brauchst du natürlich erstmal ein Kabel. Aber welches ist das Richtige für deinen Zweck? Dieser Beitrag fängt direkt richtig nerdy an, aber es schadet nicht sich das alles ein mal durchzulesen und gehört zu haben.

Kabelart

Es gibt viele unterschiedliche Kabel für unterschiedliche Einsatzzwecke. Zum einen unterscheiden wir zwischen Strom- und Datenkabeln. Ein Datenkabel ist beispielsweise ein USB-Kabel, das zwischen Festplatte und Computer steckt. Auch in meinem Van habe ich ein paar Datenkabel verlegt, zum Beispiel zwischen Router und Antenne, Ladebooster und Zündungsplus und einige weitere in meiner DIY Schließanlage. Bei einem Stromkabel handelt es sich um die Stromversorgung eines Gerätes oder die Weiterleitung und Verteilung vom Stromzugang. Das sind überwiegend die Kabel, die im Van verbaut sind und zwischen Batterie, Kühlschrank, Ladegerät, Solaranlage, Lampe, und einigen weiteren Geräten angeschlossen sind.

Viele Kabel haben einen genormten Farbcode in der Isolierung eingearbeitet. Rot und Schwarz steht ausschließlich für die Stromversorgung mit Gleichstrom, wobei Rot für Plus und Schwarz für Minus steht. Bei einer Stromversorgung mit Wechselstrom sind drei oder mehr Kabel verlegt. Bei einer 230V Leitung ist das blaue Kabel der Neutralleiter (N), ein zweites Kabel mit der spannungsführenden Phase (L) ist braun, grau oder im seltenen Fall schwarz und ein Schutzleiter (Erdung, PE) ist grün-gelb gefärbt. Für Datenkabel hast du selbst die Freiheit, andere Farben zu verwenden, um sie optisch als solche zu kennzeichnen.

Ob ein Verlängerungskabel, Lade- oder USB-Kabel, wir kennen sie üblicherweise in flexibler Form. Leicht zu biegen, aufrollbar und schnell verpackt. Im Hausbau verwendet man jedoch starre Kabel. Sie sind leichter durch lange Leerrohre gezogen, günstiger in der Produktion und einfacher anzuschließen. Die Flexibilität wird dadurch geleistet, dass sich hinter der Isolierung nicht – wie beim starren Kabel – eine dicke Ader verbirgt, sondern viele, sehr dünne Litzen, die sich leicht biegen lassen. Beim Vanausbau verwenden wir ausschließlich flexible Kabel, da eine starre Leitungen durch die ständigen Vibrationen des Motors brüchig werden kann.

Kabeldicke

Vielleicht hast du mal was von einem Kabelbrand gehört. Das passiert, wenn ein langes Kabel, mit viel zu dünnem Kabelquerschnitt, sehr hohen Strömen ausgesetzt wird. Damit sowas gar nicht erst passiert, wählst du lieber ein etwas zu dickes Kabel, um präventiv einem Kabelbrand vorzubeugen.

Um die benötigte Kabeldicke für dein Stromsetup im Van zu errechnen, musst du wissen, wie lang das Kabel sein wird. Schnapp dir dafür ein Seil und verlege es so, wie du das Kabel verlegen würdest. Markiere dir, wo du das Kabel kürzen würdest, ziehe es heraus und messe die benötigte Länge. Auch musst du wissen, wie viel Strom maximal an dem Kabel anliegen könnte.

Für die Dicke der Kabel wird die Querschnittsfläche im metrischen System in mm² und im Amerikanischen in AWG (American Wire Gauge) angegeben. Die beiden Werte (Länge und maximale Stromstärke) kannst du im Kabelkonfigurator von FraRon eingeben und die Seite berechnet dir den benötigten Kabelquerschnitt.

Kabelmantel / Isolierung

Wir wissen ja bereits, dass die Isolierung in unterschiedlichen Farben erhältlich ist. Der Mantel dient jedoch für mehr als nur die farbliche Kennung, denn durch seine isolierende Wirkung kannst du das Kabel auch unter Last (wenn Strom fließt) anfassen und gebündelt mit anderen Kabeln verlegen.

Die Isolierung kann aber auch mehr als nur einem Zweck dienen. Feinen Datenkabeln wird ein Alumantel mit eingearbeitet, der magnetischen Störquellen vorbeugt und für besonders robuste Kabel gibt es Isolierungen, die speziell vor Wasser, Säure, Hitze und Kälte gewappnet sind. Beispielsweise ist ein Solarkabel für den Van extra vor UV-Strahlen geschützt. Für mehr Sicherheit gibt es dickere Isolierungen, um der Abnutzung durch Reibung und Scheuern entgegenzuwirken.

Kabel verlegen

Ich empfehle beim Vanausbau prinzipiell immer hinter der Wandverkleidung, in der Decke oder dem Boden ein paar Leerrohre zu verlegen. So hast du im Nachhinein die Möglichkeit, Kabel zu verlegen, ohne die Wandverkleidung jedes Mal abschrauben zu müssen. Außerdem bieten Leerrohre eine zusätzliche Sicherheit vor den scharfen Kanten im Kastenwagen. Zudem hast du die Möglichkeit unterschiedliche Spannungen voneinander physisch zu trennen, indem du ein Leerrohr für 12V, eins für 230V und ggf. ein weiteres für Datenkabel benutzt.

Um die Kabel durch das Rohr zu bekommen, habe ich ein langes Seil (Paketschnur) an einem Ende hineingeschoben und am anderen Ende mit einem Staubsauger einen Luftzug erzeugt, der das Seil durch das Rohr zieht. Jetzt noch schnell die Kabel zusammengeklebt und mit dem Band verknotet. Auf der einen Seite schiebe ich die Kabel durch und auf der anderen zieht jemand am Seil das Kabel heraus. Ich empfehle immer mindestens ein extra Kabel zu ziehen, solltest du doch noch mal eins benötigen.

Anschlüsse, bzw. Kabelenden

Während du ein starres Kabel mit einer einzelnen dicken Ader durch eine Schraube fixieren kannst, reißt du so bei flexiblen Kabeln die feinen Litzen ab. Damit das nicht passiert, gibt es Kabelschuhe, die du über das abisolierte Kabelende stülpst und quetscht, bzw. krimpst. Die Kabelschuhe legen einen Metallmantel um das Bündel aus feinen Litzen und erleichtern den Anschluss.

Illustrierte Kabelschuhe in unterschiedlichen Größen und Formen. Ringkabelschuhe, Stiftkabelschuhe, Aderendhülsen und kleine Ringverbinder mit roten und schwarzen Kabeln für das 12V System im Van

Es gibt unterschiedliche Kabelschuhe für unterschiedliche Anschlusstypen und das für fast jede Kabeldicke. Angefangen mit Stiftkabelschuhen oder Aderendhülsen, die dann wie ein starres Kabel mit einer Schraube fixiert werden können. Ringkabelschuhe haben eine kleine Öse, durch die eine Schraube gesetzt wird. Außerdem gibt es noch Steckverbinder, die im KFZ Bereich Kabel miteinander verbinden oder auch einen Stecker für die Solaranlage (MC4), der eine wasserdichte und rüttelfeste Verbindung bereitstellt. Sämtliche Kabel und Kabelschuhe habe ich bei FraRon gefunden.

Damit möglichst wenig offene Metallstücke unisoliert sind, nutze ich einen Schrumpfschlauch. Schiebe ein Stück vom Schlauch über das Kabel, schneide mit einem scharfen Messer rings um die Isolierung ein, knicke den Mantel ab und zieh ihn von den Litzen. Jetzt stülpst du den Kabelschuh über die Litzen und stellst sicher, dass du keine Litze knickst, hochschiebst oder gar außerhalb des Kabelschuhes lässt. Nimm dir eine Crimpzange und verpress den Kabelschuh mit dem Kabel. Wenn alles fest sitzt, schiebst du den Schrumpfschlauch leicht über den Kabelschuh, ohne dabei die Auflagefläche zu berühren und erhitzt ihn mit Heißluft, einer Kerze oder einem Feuerzeug.

Die Schrumpfschläuche von FraRon finde ich sehr gut, da sie zusätzlich einen Schmelzkleber auf der Innenseite haben, der alles fest miteinander verklebt. Beim Aussuchen der Schläuche musst du dich für eine Größe entscheiden. Hierfür musst du den Durchmesser deines Kabels, mit dem Isolationsmantel messen. Die Schrumpfschläuche haben eine minimale und maximale Kabeldicke in der Tabelle angegeben und werden auch wirklich so klein. Alternativ kannst du auch Isolations-Tape um die offenen Stellen wickeln.

Kabel und Geräte absichern

Okay, die Kabel sind verlegt und die Enden vorbereitet. Bevor wir die ersten Geräte anschließen, möchte ich noch ein mal über Sicherungen sprechen. Wenn ein Gerät oder ein Kabel einen Fehler – wie beispielsweise einen Kurzschluss – aufweist, dann können ungewollt hohe Fehlerströme anliegen. Damit das Gerät nicht durchbrennt, das Kabel zu viel Strom tragen muss und im schlimmsten Fall ein Kabelbrand entsteht, gibt es Schmelzsicherungen und Sicherungsautomaten. Im Grunde genommen ist es wie eine kontrollierte Sollbruchstelle, die bei einer gewissen Stromstärke auslöst und den Stromfluss unterbricht.

Illustration eines 12 V Kleinsicherungskasten für Elektrogeräte im DIY Campervan

Eine Schmelzsicherung ist die gängigste und vielfältigste Sicherung. Sie gibt es von einer kleinen KFZ-Flachsicherung, bis zu einem dicken Block für Starkstrom und kann von kleinen Strömen wie beispielsweise 1A, bis zu spitzen wie 500A absichern. Einmal ausgelöst, ist die Sicherung durchgebrannt, und muss ausgetauscht werden.

Illustrierter 12V Sicherungsautomat mit 60A der Firma FraRon Wohnmobilelektronik

Sicherungsautomaten hingegen gibt es im Bereich von 40A bis 200A und sind wiederverwendbar. Hier löst ein interner Mechanismus einen Schalter aus, der den Stromfluss unterbricht. Mit einem Reset kannst du die Sicherung wieder reinklicken und sie ist wieder aktiv.

Illustrierter 230V Sicherungskasten mit 16A Leitungsschutzschalter und FI (Fehlerstromschutzschalter) zur Absicherung der Elektronik im Campervan

Insbesondere im 230V Bereich ist eine vernünftige Absicherung ein absolutes muss, da hier nicht nur eine hohe Spannung, sondern obendrein Wechselstrom anliegt. Aus diesem Grund gibt es neben einer Leitungssicherung einen Fehlerstromschutzschalter, der mit dem Schutzleiter unregelmäßige und ungewollte Umwege des Stromes misst und innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde auslöst.

Neben den Sicherungen ist es ratsam einen Notausschalter zu verbauen, dieser den gesamten Stromkreis unterbricht. Hier ist zu beachten, dass jede Stromquelle einen solchen Schalter benötigt, da der Strom nicht nur von der Bordbatterie, sondern auch von der Solaranlage, der Starterbatterie und ggf. einem Landstromladegerät in dein Bordnetz eingespeist werden kann. Hier empfehle ich gerne die Sicherungsautomaten, denn durch den Reset Schalter kannst du auch manuell die Stromzufuhr unterbrechen.

Kabel verbinden

Es kommt eigentlich fast immer vor, dass du nach der Batterie mehr als ein Gerät anschließen möchtest. Du kannst aber nicht einfach alle Kabel an die Batterie anschließen, da die Schraube meist nicht mehr als zwei Ringkabelschuhe halten kann.

Illustrierte 12V Masse- / Verteilerschiene, um größere Geräte im Van miteinander zu verkabeln.

Dafür gibt es Sammelschienen und Verteilbolzen, die genau den Job übernehmen. Die Bolzen bestehen aus einer Stange, die mit einer Mutter mehrere Ringkabelschuhe verbindet. Eine Sammelschiene besteht aus einer dickeren Metallschiene, die meist mit vier Schrauben bestückt ist, um mehrere Kabel anschließen zu können.

Illustrierte WAGO Klemme mit 5 Klemmplätzen, für die Verkabelung kleiner Elektrogeräte im Van.

Dünnere Kabel mit Kabelquerschnitten bis 4 mm² können sowohl im 12V als auch im 230V System mit Federkraftklemme beispielsweise der Firma WAGO verbunden werden. Da hier zwei Platten aufeinander gepresst werden, steckst du einfach die offenen Litzen in die Öffnung und klappst den Hebel zu.

Geräte anschließen

Okay, kommen wir nun endlich an das Anschließen der Geräte. Im Grunde genommen ist die große Arbeit ja auch schon gemacht. Die Kabel sind konfektioniert und wir könnten loslegen. Einen Rat habe ich aber dennoch, bevor es losgeht. Gerade weil du jetzt mit offenen Kabeln arbeitest und nach und nach den Strom anschließt, empfehle ich dir dringend alle Sicherungen herauszuziehen oder auf auszuschalten!

Gehe Kabel für Kabel vor, um einem Denkfehler vorzubeugen. Vergewissere dich, dass du das dafür vorgesehene Kabel in der Hand hältst und löse erstmal nur die Schraube, an der du das Kabel anschließen möchtest. Schließe das Kabel an, drehe die Schraube nach Gefühl fest und ziehe kurz am Kabel, um sicherzugehen, dass es fest verbunden ist. Nehme dir dann das andere Ende des Kabels vor und gehe so von Kabel zu Kabel, zum nächsten Gerät, bis alles angeschlossen ist. Überprüfe zuletzt noch einmal, ob auch wirklich alles korrekt angeschlossen ist und auch die Polarität korrekt ist.

Solltest du dir unsicher sein, dann zieh bitte einen Fachmann zurate, bevor du die Sicherungen einschaltest oder in die Halter drückst. Wenn du dir sicher bist, kannst du nach und nach, von der Batterie aus beginnend, die Sicherungen einschalten und prüfen, ob sich die Geräte ordnungsgemäß einschalten.

Hast du Fragen oder bist dir noch unsicher?

Wenn du dich mit dem Thema Elektronik unwohl fühlst, dann gib den Job lieber an einen Fachmensch ab! Hier kann man so viel falsch machen und es können nicht nur fatale, sondern auch lebensbedrohliche Fehler entstehen. Also bitte sei dir sicher und lass deine Verkabelung und das gesamte Setup vom Profi auf Herz und Nieren prüfen.

Wenn du dich wohlfühlst und der Meinung bist, dass du das schon irgendwie hinbekommst, aber noch ein paar Fragen hast, stehe ich dir gerne mit meiner Unterstützung beim Vanausbau mit Ratschlägen, Tipps und Infos beiseite. Die Verkabelung, das Verbauen und das Anschließen, sowie das in Betrieb nehmen der Geräte liegt aber voll und ganz in deiner Hand.

Wenn du dir unsicher bist, möchte ich dir die wirklich tolle Firma FraRon wärmstens empfehlen und das unabhängig vom Sponsoring. Hier findest du tolle Beratung und einen Einbauservice, bei dem nach einem ausführlichen Gespräch dir die geplante Technik in deinem Van verbaut wird.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Ausbau und hoffe dir ein paar Fragen beantwortet zu haben.

Liebe Grüße, Dori

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