Nordlichter / Aurora Fotografieren

Wir haben sie endlich gesehen. Auf unserer Reise durch Schweden und auf unserem Abstecher in Norwegen haben wir unsere Bekanntschaft mit den Nordlichtern gemacht. Wir haben so verzaubernde Fotos geschossen und möchten sie nicht nur mit dir teilen, sondern dich dazu ermutigen sie auch machen und dir beibringen, wie das geht.

Was sind Nordlichter?

Nordlichter – auch bekannt als “Aurora” oder “Aurora Boreales” am Nordpol und “Aurora Australis” am Südpol – ist ein Lichtspektakel am Himmel. Es entsteht durch Stickstoff- und Sauerstoffatome in unserer Atmosphäre, die von elektrisch geladenen Teilchen des Sonnenwinds getroffen und angeregt werden. Wenn sie wieder in ihren Ursprungszustand zurückkehren, geben sie die überschüssige Energie in Form von Licht wieder ab. Das ist überhaupt nicht gefährlich und sieht einfach nur super spektakulär aus.

Um das Phänomen beobachten zu können müssen wir uns näher zum Nordpol hinbewegen, da die Lichter sich um das Magnetfeld der Pole unserer Erde ansammeln. Wenn du über den Polarkreis hinaus reist, sind die Chancen auf eine Sichtung wesentlich höher. Darum sieht man die Nordlichter in Europa vor allem in den Ländern Finnland, Schweden, Norwegen, Island und Grönland (Dänemark). Außerdem findet das Naturspektakel zwischen Ende September bis spät in den März und so gegen 17 Uhr und 2 Uhr morgens am häufigsten statt. Die Dauer eines Lichtschubes beträgt zwischen 15 und 30 Minuten, kann aber im Glücksfall bis zu einer Stunde andauern.

Die Intensität der Nordlichter kann vorhergesagt werden und wird mit dem KP-Index, ein planetarischer, magnetischer Index, auf einer Skala von eins bis neun angegeben. Diese Vorhersage kannst du im Internet oder in einer Smartphone-App einsehen und wenn du dir eine Benachrichtigung auf dem Handy einstellst, bleibst du immer auf dem Laufenden. Die Vorhersage kann sich nämlich auch sehr schnell wieder ändern – wir sprechen da aus Erfahrung.

Jetzt heißt es nur noch eins … hoffen auf gutes Wetter! Ein sternenklarer Himmel, eine Gegend mit möglichst geringer Lichtverschmutzung und gegebenenfalls wenig Mondlicht sind ideale Voraussetzungen für die Sichtung.

Vorbereitung

Okay, jetzt wo wir wissen, was das eigentlich ist, was wir fotografieren wollen und warum es so besonders ist, bereiten wir uns mal auf die Stunde der Wahrheit vor.

Zum Fotografieren brauchst du natürlich eine Kamera. Im besten Fall eine Kamera, die du komplett manuell bedienen kannst. Dazu ein möglichst lichtstarkes Objektiv mit einer großen Blende (kleine f-Zahl) und einem relativ weiten Blickwinkel. Außerdem fotografieren wir, wie generell bei der Nachtfotografie, mit einer längeren Belichtungszeit, sodass wir auf ein Stativ zurückgreifen, um Verwacklungen zu vermeiden. Zusätzlich kannst du auch noch die Timer-Funktion der Kamera nutzen oder sie vielleicht sogar mit einer App oder einem Fernauslöser steuern.

Da es in den Wintermonaten und unter klarem Himmel sehr kalt werden kann, können wir sehr empfehlen sich dick anzuziehen und eine Thermoskanne Tee mitzunehmen. Die Polarlichter kommen und gehen stetig und teilweise muss man lange warten, bis sie so richtig abgehen. Aber auch, wenn es mal lange dauert und du schon komplett durchgefroren bist, es lohnt sich 🙂

Welche Einstellungen?

Zu aller erst stellst du die Kamera in der Qualität auf Rohbild / RAW. Aber nur, wenn du ein Bildbearbeitungsprogramm hast, dass mit den Dateiformaten umgehen kann. Das Rohformat hat viele Vorteile gegenüber dem klassischen JPEG Format. Es speichert wesentlich mehr Bildinformationen, z.B. auch in den schwarzen und weißen Bereichen, die im JPEG bereits verloren bzw. „ausgefressen“ sind. Im RAW Format kannst du auf diese Informationen noch zurückgreifen und sie durch Bildbearbeitung wieder zum Vorschein bringen. Wir veröffentlichen bald auch einen Intensiveren Blogpost zum diesem Thema. Wenn dich das interessiert, kannst du gerne unseren Newsletter abonnieren und erfährst als Erste*r, sobald er live geht 😉

Als nächstes stellst du die Kamera auf den manuellen Modus (M), damit du die drei Werte der Belichtung selber eingeben kannst. Die Werte Blende, Belichtungszeit und Sensorempfindlichkeit (ISO) bestimmen das Bildresultat in der Belichtung. Wenn einer der Regler verändert wird, sollte mindestens ein weiterer angepasst werden. Hört sich jetzt erstmal kompliziert an, aber so schwer ist das auch nicht und wir erklären es dir Schritt für Schritt.

Blende

Beginnen wir mit der Einstellung der Blende. Sie gibt die Lichtmenge an, die durch das Objektiv auf den Sensor einfällt. Je größer die Blende, also je größer das Loch im Objektiv, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Eine kleine Blendenzahl spiegelt eine große Blende wider. Also ist eine Blende von f3.5, f2.8, oder gar f1.4 ziemlich weit offen und f8, f16 oder f32 fast komplett geschlossen.

Durch die geschlossene Blende verändert sich auch der Bereich, in dem das Bild scharf ist. Eine geschlossene Blende hat einen großen Schärfebereich, lässt aber auch kaum Licht einfallen. Eine große Blende hingegen gibt zwar viel Licht auf den Sensor, hat aber auch einen kleinen Schärfebereich als Resultat, was ggf. zu Schwierigkeiten beim Fokussieren führen kann. Nichtsdestotrotz solltest du lieber eine offene Blende bevorzugen und versuchen einen Stern zu fokussieren.

ISO

Der ISO gibt die Empfindlichkeit des Sensors. Es bestimmt, wie intensiv die Lichtstrahlen wahrgenommen werden sollen und belichtet das Bild digital nach. Je höher der ISO eingestellt wird, desto heller wird das Bild. Leider hat das insbesondere in den dunklen Bereichen den negativen Effekt des Bildrauschens, durch eine Fehlinterpretation des Lichteinfalls. Dadurch sollten wir den ISO so hoch wie nötig, aber so gering wie möglich halten, um eine perfekte Balance zu bekommen.

Belichtungszeit

Zu guter Letzt kommen wir zur Belichtungszeit. Wie sie schon im Namen verrät, ist das die Zeit in der Licht auf den Sensor fällt. Je länger die Belichtungszeit, desto länger wird der Sensor belichtet und das Bild wird heller. In der Zeit, in der das Bild belichtet wird, sollte die Kamera nicht bewegt werden, sonst verwackelt das Motiv. Tagsüber fotografieren wir persönlich durchschnittlich mit einer Belichtungszeit von 1/500 Sekunde. Das ist so schnell, dass das Bild nicht verwackelt, wenn wir es aus der Hand fotografieren. Nachts haben wir jedoch bei weitem nicht so viel Licht zur Verfügung und fotografieren mit einer Belichtung, die über mehrere Sekunden andauert. Dafür benötigen wir dann ein Stativ, auf dem die Kamera fest montiert wird, damit das Motiv nicht verwackelt.

Da sich die Nordlichter am Himmel bewegen, können wir uns entscheiden, ob wir durch eine längere Belichtungszeit mehr von der Bewegung einfangen wollen, um z.B. auch den ISO etwas verringern zu können. Dadurch wirkt die Bewegung der Nordlichter etwas „schwammiger“ und langgezogen. Wer die Nordlichter lieber eingefroren, strukturiert und kontrastreich mag, sollte auf eine kürzere Belichtungszeit zurückgreifen, wodurch wiederum den ISO etwas höher ausfällt.

Wie du vielleicht schon merkst, kannst und wirst du mit den Einstellungen einfach etwas spielen, um dein gewünschtes Resultat zu erhalten. Und je nach Intensität und Geschwindigkeit der Lichter kann man selbst mit gleichen Einstellungen an verschiedenen Tagen total unterschiedliche Resultate erhalten 😉

Damit du beim Auslösen der Kamera nicht einen kleinen Wackler verursachst, empfehlen wir dir trotz Stativ einen Auslösetimer einzustellen. Zwei Sekunden reichen dabei allemal aus.

Bearbeitung

Jetzt wo du draußen warst und hoffentlich grandiose Nordlichter gesichtet und aufgenommen hast, geht es an den letzten und spannendsten Schritt … die Bildbearbeitung.

Importiere die Fotos in das Bildbearbeitungsprogramm deiner Wahl. Wir nutzen dafür “Adobe Lightroom Classic”, aber die kostenfreie, mobile Version von Adobe reicht vollkommen aus. Benutze das Programm, mit dem du am meisten vertraut bist, da die grundlegende Bildbearbeitung überall ähnlich gehandhabt wird.

Wenn du ein paar Presets installiert hast, spiele gerne mit ihnen rum. Sollte das Bild zu dunkel sein, bewege den Regler der allgemeinen Belichtung in die dementsprechende Richtung, um die Belichtung anzupassen. Wir haben oft gemerkt, dass der Weißabgleich im „Automatik Modus“ teilweise unterschiedlich ausfällt. Durch das Fotografieren im Rohformat haben wir aber auch hier die volle Freiheit, diesen im Nachhinein anzupassen. Meist passt die Vorgabe “Fluoreszierend” oder “Bewölkt” als schnelle Anpassung.

Nach der generellen Anpassung hilf es, einen Blick auf die Regler „Lichter“ und „Tiefen“, aber auch auf „Weiß“ und „Schwarz“ zu werfen. Hier kannst du noch mal einiges aus dem Bild herausholen und ggf. erstes, ungewolltes Rauschen einzudämmen.

Zuguterletzt empfehlen wir dir eine Rauschreduzierung vorzunehmen, um dem Bild mehr Klarheit zu geben. Je nach Kamera kann der ISO in dunklen Situationen schnell zu Fehlern im Bild und störendem Rauschen führen. Durch die Rauschreduzierung kannst du dem digital entgegenwirken.

Teil deine Fotos

Wir hoffen sehr, dass wir dir etwas beibringen konnten und dich dazu motiviert haben, auf deinem nächsten Trip in den Norden die Nordlichter zu fotografieren.

Wenn du es geschafft hast, ein paar schöne Bilder von dem strahlenden Spektakel am Himmel zu schießen, teile sie doch auf Instagram und verlinke gerne unseren Account, damit wir sie finden können. Darüber würden wir uns wirklich riesig freuen.

Wir wünschen dir viel Glück, Erfolg und vor allem Freude am Fotos machen!
Hanna & Dorian

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